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Einleitung der Ermittlungen gegen den Online-Riesen

Im vorletzten Jahr lukrierte der Konzern in Österreich rund 690 Millionen Euro Umsatz – plus mindestens 700 Millionen über seinen Marketplace. Aktuell aber kommt Amazon in Bedrängnis. Und keine Sorge, wir erzählen Ihnen jetzt versprochen nichts über die derzeitigen Probleme von Jeff Bezos. (Wir sind sicher, er kommt zurecht.) Vielmehr interessiert uns die Beschwerde, die im Dezember 2018 erstmals vom Handelsverband bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gegen Amazon eingelegt wurde. Mitte Februar wurden die offiziellen Ermittlungen dazu eingeleitet.

Österreichs Verfahren gegen Amazon: Ein Berg an Beschwerden des heimischen Online-Handels

In seiner Rolle als größter Händler und gleichzeitig führender Marktplatz für andere Händler besitzt Amazon die Kunden-Daten von 93 Prozent der heimischen Online-Shopper sowie aller gelisteten heimischen Händler. Über 90 Prozent der österreichischen Online-Käufer haben zumindest einmal bei Amazon einen Kauf getätigt.

Die Dominanz des umsatzstarken Online-Giganten in Verbindung mit fragwürdigen Geschäftsbedingungen war dem Handelsverband schon lange ein Dorn im Auge: „Ende 2015 haben wir erstmals aufgezeigt, wo die Probleme liegen“, nahm Rainer Will, GF des Handelsverbandes, Ende letzten Jahres Stellung, „doch die Politik hat den Markt trotz aller Bemühungen nicht sinnvoll regulieren können. Dies führte uns zum Entschluss, als erste Organisation in Österreich selbst eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde einzulegen.“

Am 14. Februar 2019 hat die BWB entschieden, das offizielle Missbrauchsverfahren gegen Amazon einzuleiten. Untersucht werden nun eventuell unfaire Geschäftspraktiken – wie Missbrauch der eigenen Vormacht-Stellung sowie Verdacht auf Verstöße gegen österreichisches und europäisches Kartell-Recht.

Als Basis der Ermittlungen liegen zahlreiche Beschwerden des heimischen Online-Handels auf. Die Fälle, mit denen sich die BWB jetzt auseinandersetzt, sind u.a.

  • der Verdacht, dass Amazon die eigenen Angebote gegenüber denen von anderen Händlern bevorzugt behandelt und bewirbt,
  • die Bedingungen, unter denen österreichischen Händlern der Zutritt zum Amazon Marketplace gewährt wird,
  • plötzliche und kaum oder gar nicht begründete Sperren von Händler-Konten,
  • falsche Liefer-Angaben,
  • gelöschte Produkt-Rankings.

Amazon zeigt sich dem laufenden Verfahren gegenüber entsprechend kooperativ. Mit Gerichtsstand in Luxemburg, gilt bis zur rechtskräftigen Entscheidung durch das Kartell-Gericht die Unschuldsvermutung. Wie lange die Ermittlungen dauern, ist noch nicht abzuschätzen. Für weitere Informationen und als Anlaufstelle für Fragen und Beschwerden steht der Handelsverband zur Verfügung.

Amazon-Verfahren: Echo der Wirtschaftskammer

Auch die Wirtschaftskammer Österreich hat sich öffentlich zu Wort gemeldet: Im Falle von unfairen Handelspraktiken möchte sie als Mediator zur Verfügung stehen – speziell für kleinere Unternehmen, deren Existenz schnell gefährdet sein kann. Gerade hier sieht sich die WKÖ als Interessensvertretung gefordert und möchte Lösungen im Sinne der heimischen Online-Händler finden. Dass Amazon als weltweit größter Marktplatz in jedem Fall immer auch große Chancen für den österreichischen Handel bietet, steht dabei für die Wirtschaftskammer außer Frage.

Übrigens: Thematisch passend, präsentiert unsere Amazon Blog-Serie praxisnahe Tipps und Tricks für Webshop-BetreiberInnen – im Rennen mit dem Big Player.

Quellen: Handelsverband, APA OTS
Foto-Credit: Amazon