Versandapotheken in Österreich

Start frei für Online-Apotheken in Österreich

Über 1300 Apotheken zählt Österreich, rund ein Viertel davon befinden sich in Wien. Traditionsreich wie unser Land so ist, weist diese ob ihrer Handelsware sensible Branche haufenweise Regelungen u.a. auch in Puncto Vertriebsstrukturen auf, an die man sich seit Jahrzehnten hält.

Nun entsteht mit Hilfe der ohnehin polarisierenden Europäischen Union auch hier eine neue Spielwiese, bei der ehemalige Alleinherrscher wie Kammer & Verband quasi auf die Tribünen verbannt werden. Und so versteht es sich von selbst, dass damit Emotionen hochgehen und in konfrontierenden Stellungen münden, was die Liberalisierung des Onlinehandels betrifft, welcher im kommenden Jahr in offizielle Strukturen gebettet wird.

Denn augenblicklich arbeitet die Kommission in Brüssel bereits an der Durchführungsrechtsakte, nach deren Veröffentlichung der Fernabsatz mit sog. rezeptfreien Humanarzneimittelspezialitäten (kurz: Medikamente) in Österreich erlaubt sein wird. Parallel dazu entsteht ein gemeinsames, europäisches Sicherheitszertifikat, sprich ein Logo, das alle in der EU zugelassenen Versandapotheken auf ihren Webseiten einbauen müssen. Ein Flagge im Logo wird Auskunft über den Sitz der Apotheke geben, der Text auf dem Logo erscheint in der Amtssprache des jeweiligen Landes.

Bei Klick auf das Logo wird man zur Webseite der nationalen Zulassungsbehörde weitergeleitet, die eine Liste ebendieser offiziell zugelassenen Internet-Apotheken ausweist. Sollte die Online-Apotheke dort nicht gelistet sein, so wäre dies ein Indiz dort nicht zu bestellen, letztlich allem voran um Fälschungen aus dem Weg zu gehen, die auch diese Branche heimsuchen und lt. Branchenberichten von wirkungslos bis tödlich sein können. Ein Milliardengeschäft für Kriminelle, auf das sich heimische Verbände in ihrer Argumentation stützen, wenn es darum geht, ihrer Skepsis dieser Liberalisierung gegenüber Wind zu machen.

Der österreichische Apothekerverband betreibt mitunter präventiv bereits seit geraumer Zeit das Click & Collect Portal apodirekt.at, beim dem man online bestellt, aber offline abholt. Sobald aber der Startschuss erfolgt, wird es kein Halten mehr geben. Schon jetzt gibt es österreichische Online-Apotheken, welche die gesetzlichen Hürden umgehen und ihren Sitz ins benachbarte Ausland verlegen. Denn von dort aus darf man Österreich beliefern, nicht aber von Österreich aus selbst. Paradox, aber wahr.

Jede Apotheke muss für sich entscheiden, welches Gewicht sie diesem neuen Vertriebsweg beimisst. Letztlich wird der Endpreis für Konsumenten sinken und ein ungewohnter Wettbewerb entstehen. In Deutschland, wo es Versandapotheken bereits seit einigen Jahren gibt, verfügen bereits knapp 15% von insgesamt etwa 22.500 Apotheken über eine solche registrierte Versandapotheke. Der Marktumsatz liegt nach ähnlich anfänglicher Skepsis bereits bei € 1.3 Milliarden, Tendenz stark steigend. Grund genug, auch die österreichischen Apotheker zu motivieren, sich diese neue Chance nicht entgehen zu lassen und vorne dabei zu sein.