Was bedeutet ein harter Brexit für Online-Händler?

Brexit für Onlinehändler:
Was sind die Folgen?

Nach wie vor ist nicht klar, wann und wie Großbritannien die EU verlässt. Der ungeordnete Brexit, wird aber immer wahrscheinlicher und für 31. Oktober 2019 erwartet.

Wie stark der Online-Handel einen harten Brexit zu spüren bekommt, ist nur schwer abzuschätzen. Doch klar ist: Großbritannien ist eine wichtige Säule im E-Commerce.

Laut Zahlungsdienstleister Paymill laufen über 30 % der internationalen Online-Warenströme derzeit über das Vereinigte Königreich. Wenn Händler bereits einen Kundenstamm aus Großbritannien haben, sollten sie entsprechende Vorkehrungen treffen. So kann das Geschäft auch nach dem Brexit flüssig weiter laufen.

 

So bereiten sich Onlinehändler auf den Brexit vor

Sollte kein Austrittsabkommen zustande kommen, wird das Vereinigte Königreich ab dem Zeitpunkt seines Austritts als Drittland behandelt. Die EU-Kommission will einem eventuellen Chaos vorbeugen und hat einen Zoll-Leitfaden für den Brexit veröffentlicht. 

  • Das beudeutet: Zoll und Einfuhrumsatzsteuer fallen wieder an. Onlinehändler müssen ab dem Austritt Zollformalitäten erfüllen und Zollanmeldungen einreichen. Es gelten dieselben Regeln wie für einen Handel mit Ländern außerhalb der EU. Dazu müssen sich Unternehmen bei der nationalen Zollbehörde für den Handel mit Drittländern anmelden, sofern sie dies noch nicht getan haben.

 

  • Auch Einfuhr- und Ausfuhrlizenzen müssen neu beantragt werden: Jede Genehmigung, die von Großbritannien als EU-Mitglied für den EU-Binnenmarkt erteilt wurde, ist hinfällig. Deshalb müssen auch Bewilligungen zollrechtlicher Vereinfachungen – wie  etwa Zolllager – neu beantragt werden. Zudem können für bestimmte Waren, die aus dem Vereinigten Königreich in die EU eingeführt werden, Verbote oder Beschränkungen gelten.

 

  • Falls Unternehmen 2018 im Vereinigten Königreich Mehrwertsteuer gezahlt haben, sollten diese Ihre Anträge auf Erstattung der Mehrwertsteuer (noch rechtzeitig vor dem Austritt) einreichen, damit diese noch vorher bearbeitet werden können. Die EU-Staaten werden bei der Einfuhr von Waren aus dem Vereinigten Königreich in die EU-Mehrwertsteuer erheben. Ausfuhren in das Vereinigte Königreich sind von der Mehrwertsteuer befreit. Die Vorschriften für die Erklärung und Entrichtung der Mehrwertsteuer (für die Erbringung von Dienstleistungen wie etwa elektronische Dienstleistungen) sowie für grenzüberschreitende Mehrwertsteuererstattungen werden sich ändern.

 

  • Für die Beförderung verbrauchsteuerpflichtiger Waren in das Vereinigte Königreich wird möglicherweise auch ein elektronisches Verwaltungsdokument (eVD) erforderlich sein. Bei der Ausfuhr dieser Waren in die EU sind vor einer Beförderung Zollformalitäten erforderlich.

 

  • SEPA ist die Abkürzung für Single European Payment Area. Da sich SEPA aber nicht nur auf Euro-Länder beschränkt ist bzgl. SEPA-Zahlungen davon auszugehen, dass hier weiterhin mit den nationalen Zahlungssystemen in Großbritannien zusammenarbeiten wird. Auch Unternehmenskonten in Großbritannien sind bis zu einer Neuregelung weiterhin über den europäischen Einlagensicherungsfonds abgesichert.

 

Geoblocking, DSGVO & Widerrufsrecht

  • Die Geoblocking-Verordnung verbietet Online-Händlern aus der EU Kunden aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit, ihres Wohn- oder Unternehmenssitzes zu diskriminieren. Das gilt auch für Online-Händler in Drittländern, die ihre Waren in die Europäische Union verkaufen. Britische Kunden dürfen weiterhin nicht aufgrund des Wohnsitzes diskriminiert werden.

 

  • Da bei einem „no-deal“ Brexit Großbritannien zum Drittland würde, müssten Unternehmen grundsätzlich von Verbrauchern aus Europa eine Einwilligung einholen, bevor sie ihre Daten in Großbritannien sammeln. Die EU-Kommission könnte aber einen sogenannten Angemessenheitsbeschluss erlassen: Dabei würde die EU offiziell feststellt, dass Großbritannien weiterhin ein der EU vergleichbares Datenschutzniveau aufweist. Für Britische Unternehmen, die in der EU Daten sammeln, gilt in jedem Fall weiter die DSGVO.

 

  • Das 14-tägige Widerrufsrecht oder das Gewährleistungsrecht könnten theoretisch im britischen nationalen Recht geändert werden. Da das Verbraucherrecht weitestgehend durch europäische Vorgaben geprägt ist, gewährt auch das britische nationale Verbraucherrecht ein derzeit den europäischen Standards entsprechendes Schutzniveau. Sollte Großbritannien das dort geltende nationale Gewährleistungsrecht nicht mehr beibehalten, können sich Abweichungen von den europäischen Vorgaben ergeben, da diese bei einem Austritt für Großbritannien nicht mehr verbindlich sind.

 

Wegweiser, was beudeutet ein Austritt ohne Abkommen für den Onlinehandel?

Sollte kein Austrittsabkommen zustande kommen, wird Großbritannien als Drittland behandelt. Foto: pixabay

Was ändert sich nach dem Brexit für Verbraucher?

Die britische Regierung hat angekündigt, keine Importzölle auf 87 % der Waren zu erheben. Das heißt der Handel nach Großbritannien könnte beinahe unverändert weiterlaufen.

Jedoch zahlen Konsumenten bei Waren aus Großbritannien bald drauf: Kommt es zu einem ungeregelten Brexit, fallen zusätzliche Zollabgaben und Einfuhrumsatzsteuer an. Zudem müssen sich Kunden darauf einstellen, dass der Erhalt ihrer Bestellungen in Zukunft länger dauert, da diese an der Grenze verzollt werden müssen. Auch in puncto Retouren bleiben nationale Vorschriften abzuwarten.