Long Tail e Commerce

E-Commerce-Seiten sind von ihrer Basis sehr gut geeignet, um den Long Tail in organischen Suchergebnissen zu erreichen. Aber was bedeutet Long Tail überhaupt und was hat es mit dem Thema Suchmaschinenmarketing (SEO) zu tun.

Die Long Tail Idee in Suchmaschinen wie Google & Co bezieht sich auf das Konzept des Autors Chris Anderson in seinem Buch The Long Tail: Why the Future of Business Is Selling Less of More. Kernaussage ist, dass der Wert, der durch eine große Anzahl von Nischenartikeln erreicht wird, den Wert der einzelnen größeren, schlagen kann. Dazu gleich ein Beispiel: Im Bereich der Keywords wäre beispielsweise das Keyword „Turnschuh“ ein klassisches Short-Tail-Keyword, mit immensen Suchvolumen, aber auch hohen Wettbewerb. Die Chance mit diesem Keyword organisch auf Seite 1 zu kommen ist nicht allzu hoch. Ebenso werden die Klickkosten für bezahlte Werbung kaum rentabel sein. Dagegen wäre das Keyword „Turnschuh Nike Jogging Damen grün“ ein klassisches Long-Tail-Keyword mit geringerem Suchvolumen. Die Chance auf die erste Seite zu kommen wäre, aufgrund des geringeren Wettbewerbes, vergleichsweise hoch.

Long Tail e-CommerceDie These sagt also aus, dass viele Long-Tail-Keywords effizienter sein können, da bei weniger Wettbewerb, egal ob bei bezahlter oder unbezahlter Werbung, in Summe bessere Ergebnisse bringen können. In Zahlen ausgedrückt können 100 Suchbegriffe mit beispielsweise 50 Suchanfragen im Monat effektiver sein, als 1 Suchbegriff mit 5000 Suchvolumen.

Onlineshops mit vielen Einzelartikel haben damit eine perfekte Basis, um automatisch in der Suche nach Long-Tail Keywords in Suchmaschinen gefunden zu werden. Neben SEO-optimierten Produkttexten und Bildern sind verschiedene Kategorisierungen im Onlineshop daher nicht nur wichtig für die Navigation der Benutzer, sondern erfüllen auch hier einen besonderen Dienst.

Die Basis ist natürlich auch hier wieder die Beachtung einzelner SEO-Grundregeln. Die Haupt-Keywords eines Artikels sollten natürlich über die wichtigsten Bereiche der Produktdatenbank konsistent sein und damit eindeutige Signale in den Google Index senden. Dazu gehören beispielsweise der Produkttitel, Produkttexte, die Produkt-URL, die Meta- Titles und Meta-Descriptions. In der Architektur der einzelnen Produktseiten sollten aber auch H-Tags so organisiert sein, dass die Hauptkeywords dort zu finden sind. Beispielsweise durch die Zuordnung des H1-Tags im Produkttitel und des H2-Tags im Kurztext.

Darüber hinaus sollten Produktkategorien bzw. Menüs so aufgebaut werden, dass Google einen Pfad in den Long-Tail findet. In unserem Turnschuh-Beispiel könnte ein Menü-Kategoriepfad wie folgt aussehen: „Damen/Marken – Schuhe – Turnschuhe – Jogging“. Darunter findet man entsprechend unterschiedliche Modelle. Eine weitere Kategorisierung erfolgt in Shops oft über Produktfilter. Dazu zählen in der Praxis Attribute wie Marken, Farben, Preisbereiche oder auch technische Merkmale (wie Größen etc.). Produktfilter sind also nicht nur wichtige Navigationselemente, sondern werden auch in organischen Suchergebnissen honoriert.

Mit dieser Basis hat ein Webshop sehr gute Voraussetzungen gute Rankings auf Produktebene zu erreichen. Bei Shops mit vielen Produkten ist dies in vielen Fällen ein erheblicher Faktor um organischen Traffic zu generieren. Und gerade dieser organische Traffic erzielt meist deutlich höhere Conversion-Rates als die meisten anderen Kanäle. Conversion-Rates von 3-4% sind hier keine Seltenheit. Auch im Bereich der bezahlten Werbung in Suchmaschinen (SEA) erreicht man mit diesen Maßnahmen wesentlich bessere Qualitätskennzahlen und damit wieder bessere Klickraten zu geringeren Kosten. Wird mit Google Shopping beworben, so empfiehlt es sich unbedingt auch Kategorie- und Filterkriterien im Datenfeed zu exportieren. Google kann diese in den Feldern „Category“ und „Product Type“ direkt verwerten und auch hier bessere Ergebnisse erzielen.

Wer also plant einen neuen Shop aufzubauen, sollte unbedingt obige Maßnahmen berücksichtigen, bevor man Produkte einpflegt. Meist ist es durch geschickte Datenaufbereitung vor einem Datenimport möglich, hier den Grundstein für eine effektive Long-Tail-Strategie zu legen. Aber auch bestehende Shops lassen sich mit vertretbarem Aufwand anpassen. Neben ein paar grundlegende funktionale Themen wie die Zuordnung der H-Tags zu den richtigen Feldern oder die Implementierung von Filterkriterien, geht es primär um die Wartung von Daten, die sich mittelfristig auf jeden Fall bezahlt macht.