magento2

Da Magento 2 aus unserer Sicht langsam die nötige Reife und Stabilität bietet, starten wir im Moment mit unseren ersten Magento 2 Upgrades. Wir werden dazu in den nächsten Wochen und Monaten unsere Erfahrungen und entsprechende Praxistipps bringen.

Bei einer Neu-Implementierung sollte sich die Frage nach der Version eigentlich nicht mehr stellen. Schwieriger wird die Entscheidung jedoch, wenn es darum geht ältere Magento-Versionen auf die neueste Version 2 umzustellen. Da eine derartige Entscheidung mit Aufwand und Kosten verbunden ist, gilt es hier abzuwägen, ob so ein Schritt auch entsprechende Vorteile bringt, die im Verhältnis zu den Kosten stehen. Wir evaluieren dies aktuell sehr detailliert mit unseren bestehenden Magento-Kunden und haben auf dieser Basis eine Liste der wichtigsten Entscheidungskriterien für eine Umstellung von Magento 1 auf Magento 2 erstellt, die wir euch nicht vorenthalten möchten.

Einige der nachfolgenden Punkte scheinen, als würden sie primär das Leben der Entwickler erleichtern. Dabei sollte man auch als Shopbetreiber nicht vergessen, dass eine vereinfachte und verbesserte Entwicklung in der Regel auch eine schnellere und damit kostengünstigere Umsetzung erlauben. Und gerade im e-Commerce ist aufgrund der hohen Dynamik der time-to-market Faktor oft entscheidend.

Geschwindigkeit & Seitenladezeiten

Magento 1 benötigt wesentlich mehr Hardware für den Betrieb als Magento 2. Und mehr Hardware bedeutet in der Regel einen höheren Aufwand, höhere Kosten und auch mehr Dinge, die schief laufen können. Hatte Magento 1 nicht immer das beste Image hinsichtlich Page-Ladezeiten, so kann Magento 2 hier wirklich punkten. Dies ist bedingt durch eine neue Softwarearchitektur und eine neues Datenbank-Design. Und natürlich bringt eine bessere CSS-Abarbeitung auch eine bessere Performance, was nicht nur zur Verringerung der Hardware-Voraussetzungen führt, sondern auch Suchmaschinen freut. Dieser Faktor wäre für uns wohl das wichtigste Entscheidungskriterium für eine Umstellung. Natürlich nur insofern, als das die Komplexität der eigenen Installation dies zum Thema macht.

Verbesserte Suche

Mittlerweile ist weitestgehend bekannt, dass das simple Suchfeld auf der Startmaske eines der wichtigsten Felder eines Onlineshops für Shopbesucher ist. Und Google zeigt hier vor, wie eine Suche funktionieren sollte (Auto-Suggest, Fehlertoleranz etc.) und was die User damit auch bei der Shopsuche erwartet. Bis dato setzte Magento auf SOLR. Jedoch gibt es für SOLR keine Konfigurationsmöglichkeiten und es erforderte immer die Arbeit eines Entwicklers. Elastic, die neue Search Engine von Magento 2, bietet nun diese Möglichkeiten. Neben der Konfigurationsmöglichkeit sollte auch die Implementierung wesentlich schneller von statten gehen.

Admin Table Filtering

Möchte man in Magento 1 die Spalten in den Listenansichten der Orders, Produkte oder Kunden verändern, so muss man entweder eigene Module einspielen oder ein Entwickler musste in die Tasten greifen. Egal ob das Verändern der Spalten, die Zeilen pro Seite oder Filterbedingungen – all diese Funktionen lassen sich mit Magento 2 bequem mittels Dropdown-Menü binnen Sekunden jetzt direkt vom Admin-User erledigen. Eine individuelle Artikel- oder Auftragsliste wird damit zum Kinderspiel. Noch dazu lassen sich diese Listen speichern und auch anderen Usern zugänglich machen. Eine tolle Erleichterung für alle, die im Backend arbeiten.

Mobil optimiertes Interface

Das Backend von Magento 2 ist nun auch für mobile Administratoren optimiert. Gerade wenn unterwegs Aufträge bearbeitet werden müssen oder schnell ein Rechtschreibfehler eines Artikels korrigiert werden muss, ist auch die mobile Usability am Backend gefragt. Unserer Erfahrung nach eignen sich Tablets oder größere Smartphones mit guter Auflösung sehr gut. Das neue Interface erfrischt zusätzlich mit einem modernen Look, wie man es von modernen Warenwirtschaftssystemen kennt.

Ajax Add-to-Cart

Werden in Magento 1 Produkte in den Warenkorb gelegt, so wird die Seite danach jeweils neu geladen. Für den Webbesucher bedeutet dies einen weiteren Zwischenschritt, der Zeit kostet und bei geringer Bandbreite sogar für Abbrüche sorgen kann. Mit der Ajax Add-to-Cart Funktion ist dieser Reload nicht mehr erforderlich. Produkte werden dynamisch in den Warenkorb gelegt, ohne die Seite neu zuladen. Zweifelsohne eine echte Verbesserung in der Customer-Experience.

jQuery

Entwickler können jetzt jubeln. Magento setzt jetzt auf jQuery, der bekanntesten und weltweit am meisten verbreiteten Javascript Library. Prototype gehört nun der Vergangenheit an. Was Entwickler freut, bringt auch Shopbetreibern mehr Flexibilität und damit mögliche Ersparnisse im Bereich der Kosten und Entwicklungszeit.

Message Framework

Magento 2 bietet mit RabbitMQ (Message Queue Framework) eine neue Technologie – oder besser gesagt eine echte Middleware – die echtes Message Queueing erlaubt. Primär ist dies für die Integration von Systemen, wie ein ERP-, Warenwirtschafts- oder DWH-Systeme konzipiert. Jobs zwischen Systemen können aus verschiedenen Gründen fehlschlagen. Es könnte die Verbindung unterbrochen werden, die Bandbreite Probleme machen oder das Zielsystem ist gerade nicht verfügbar. RMQ unterstützt ein intelligentes Queueing und gewährleistet, dass wichtige Nachrichten nicht verloren gehen. Gerade bei stark integrierten Systemen ein großer Vorteil.

Videos

Wollte man bisher Produktvideos integrieren, so musste man oft viel Zeit in Anpassungen investieren, damit das Video korrekt und ohne Fehler eingebettet bzw. angezeigt wurde. In Magento 2 dagegen reicht es zum Link einen Titel und eine Beschreibung auf der Produktseite zu ergänzen und das Video wird automatisch korrekt angezeigt. Ebenso ist es möglich eine Preview-Seite zu erstellen.

Composer & Package Manager

Funktionsmodule bestehen meist aus unterschiedlichen Bibliotheken und diese sind wiederum von anderen Bibliotheken abhängig. Dieses Faktum macht manuelle Updates oft kompliziert und birgt auch Risken. Wenn Magento dann ein wichtiges Security-Patch released stellt das Entwickler oft vor Herausforderungen. Der neue Composer von Magento 2 macht die Verbindungen und Abhängigkeiten der Libraries transparent und findet heraus welche Versionen von welchen Paketen installiert werden müssen. Entwickler müssen daher nur mehr das veränderte File bereitstellen und den Composer entsprechend konfigurieren, um den Code bereitzustellen.

Database Split

In Magento 1 greifen Admins und Webbesucher auf die gleiche Datenbank zu. Arbeiten mehrere Admins, noch dazu an datenbank-intensiven Aufgaben, so kann sich das erheblich auf die Performance der Webbesucher und deren Seitenladezeiten auswirken. Magento 2 unterstützt jetzt die Aufteilung auf 3 unterschiedliche Datenbanken. So kann eine „Main-Datenbank“ (für Produkte und Konfiguration), eine für „Checkout“ und eine für „Orders“ (wo Aufträge gespeichert werden) angelegt werden. Die Nutzerkreise und damit die potentielle Last können bei größeren Systemen damit sinnvoll getrennt werden.

Testing Framework

Magento 2 reduziert mit dem Testing-Framework den Aufwand für das Testing. Das integrierte Testing-Framework unterstützt ein verbessertes funktionales Testing und minimiert den Aufwand durch sogenanntes Regression-Testing. Gerade bei komplexen Magento-Projekten ist dies ein wertvolles Feature um neue Erweiterungen auszurollen. Darüber hinaus erlaubt es auch die Automatisierung von Tests.

Soweit die aus unserer Sicht wichtigsten Entscheidungskriterien für eine Umstellung auf Magento 2. Natürlich wird es zunehmend auch eine Rolle spielen, dass neue interessante Extensions nur mehr für Magento 2 released werden oder das Knowhow der Community zunehmend in Magento 2 fließen wird. Bis dahin beraten wir unsere Kunden gerne, ob sich der Umstieg für den jeweiligen Shop bereits jetzt lohnt.