Mobiler Commerce

Aktuelle Marktzahlen bestätigen weiterhin den Trend zur mobilen Nutzung im Internet. Vor allem die Bereitschaft im Internet Käufe zu tätigen stieg in den letzten Jahren rasant. Nutzten 2011 lediglich 23 Prozent aller mobilen Internetnutzer ihre Geräte für den Einkauf im Internet, so waren es in Deutschland 2015 bereits satte 64 Prozent (Quelle: Statista). Käufe über Smartphones oder Tablets sind damit keine Seltenheit mehr, sondern werden viel mehr bereits zum Standard. Dies hat auch Google erkannt, welche angeben, dass bereits über 50 Prozent aller Suchanfragen von mobilen Geräten kommt. Google hat letzte Woche daher die bisher größten Änderungen im Bereich Adwords angekündigt – und auch hier steht die mobile Werbung im Vordergrund.

Für Shopbetreiber stellt sich damit mehr denn je die Frage, wie man dieser Entwicklung am besten entgegnet, ohne User oder Käufe zu verlieren. Der Trend hin zu mobilen und vor allem Webseiten mit Responsive Design ist heute bei neuen Onlineshops bereits Standard. Als Magento Agentur implementieren wir bei unseren Kunden seit rund 2 Jahren ausschließlich Shops mit Responsive Design. Viele Shopbetreiber fragen sich nun, wie man dieser Entwicklung darüber hinaus Rechnung tragen kann. Während die großen Player genügend Ressourcen zur Verfügung haben um professionelle eigene mobile Apps zu entwickeln, ist dieses Thema für kleinere und mittlere Unternehmen meist ein schwieriges Thema, da eigene Apps in Bezug auf Aufwand und Kosten meist nicht in Reichweite sind.

Herausforderung mobile App

Aber auch wenn das Budget vorhanden ist, ist der Erfolg einer eigenen App heute kein Selbstläufer. Zuviel Wettbewerb tummelt sich mittlerweile auf den kleinen Devices und in den jeweiligen App-Stores. Während die weltweiten Download-Statistiken weiter nach oben zeigen, wird es parallel immer schwieriger die eigene App zu bewerben. Neue Apps werden immer seltener geladen und falls doch, häufig schnell wieder vom Smartphone oder Tablet gelöscht. Vor allem schwindet das Interesse die nächste Shopping-App einer bestimmten Marke oder Händler zu laden. Große Marktplatzanbieter wie Amazon oder Ebay tun sich hier aufgrund ihrer Angebotsbreite wesentlich leichter und dominieren daher auch hier die Marktanteile bei den mobilen Käufen. Aber auch viele renommierte Unternehmen oder Marken haben es versucht und jammern über geringe Download- bzw. Nutzungszahlen der eigenen App und überlegen daher wie mobile User angesprochen werden können.

Die Entwicklung einer eigenen App sollte daher gut überlegt sein. Und nur wenn von folgende Kriterien erfüllt sind, sollte man die Entwicklung einer eigenen App als Ergänzung zum Onlineshop ins Kalkül ziehen:

  • Ausreichendes Budget für die Entwicklung einer nativen App für zumindest die wichtigsten Plattformen IOS und Android
  • Erfahrenes Entwicklerteam
  • Budget für die laufende Weiterentwicklung und Betreuung
  • Ressourcen & Budget für die Bewerbung bzw. App-Marketing
  • Hohe Reichweite in unterschiedlichen (Werbe)Kanälen, um die App dauerhaft und ausreichend zu bewerben

Reichweiten-Apps als Schlüssel zum mobilen e-Commerce Erfolg

Viel interessanter ist aus unserer Sicht jedoch die Entwicklung im Bereich der mobilen Betriebssysteme und Apps. Wer sich mit der Entwicklung einer eigenen App beschäftigt, sollte sich davor bei den aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich etwas näher hinsehen. Denn hier scheint sich eine Entwicklung anzubahnen, dass sowohl die Hersteller der Systeme (IOS, Android) selbst, aber auch weltweit dominierende Apps (sogenannte Reichweiten-Apps) zunehmend auf die Monetarisierung ihrer Services abzielen und zunehmend auch Services für Kauf-Transaktionen anbieten. Schließlich möchte man an der weltweit noch immer stark wachsenden e-Commerce Entwicklung auch mobil mitnaschen.

Nachfolgend die aus unserer Sicht wesentlichen Entwicklungen:

Messenger:

Schon heute kann man per WhatsApp in Deutschland ein Taxi bestellen oder bei Outfittery mit seinem persönlichen Modeberater kommunizieren. Zalando hat dafür sogar eine eigene Kampagne names Zalon mit eigener Webseite aufgesetzt, um die Kommunikation der Kunden mit Stylisten zu ermöglich. Was hier aber wirklich auf uns zu kommt zeigt das chinesische Pendant WeChat. Eine Messenger-App, dass bereits läppische 500 Millionen Chinesen nutzen. WeChat bietet bereits heute e-Commerce Kommunikation der nächsten Generation. Es hat einen eigenen Paymentservice, mit dem Käufe, aber auch Geldtransfer von Nutzer zu Nutzer möglich sind. Es verfügt darüber hinaus über Funktionen für den Kauf von Bahntickets, Taxis oder Kino-Karten. Marken können über eigene Brand-Accounts mit deren Kunden kommunizieren, in dem sogar Coupons ausgesendet werden. Und zu guter Letzt bietet WeChat sogar die Erstellung eines Onlineshop innerhalb des Messengers und macht damit Größen wie Alibaba oder Amazon Konkurrenz. Facebook entwickelt bereits seit einiger Zeit in eine ähnliche Richtung. Hier sollen sogenannte Chatbots über künstliche Intelligenz ebenso die Möglichkeit bieten die Pizza ums Eck zu bestellen oder viele andere Transaktionen erledigen. Sie dazu folgender Beitrag aus der letzten F8 Konferenz. Der Messenger scheint damit zur All-in-One App in Sachen e-Commerce und B2C Kommunikation zu werden.

Payment:

Experten sagen voraus, dass wir 2020 großteils schon über das mobile Wallet von Apple oder Android bezahlen werden. Dabei werden sich die Branchengrößen nicht auf das reine Payment beschränken. Mit Apple Pay oder Google Wallet wird es möglich sein, eine digitale Kundenkarte anzubieten. Funktionen wie interaktive und damit sprechende Flugtickets, die jetzt schon Realität sind, geben hier schon einen Vorgeschmack und erinnern rechtzeitig und ortsabhängig an Flugdaten. Aktionen bei Annäherungen zum Geschäft, Flash-Sales oder Treuepunkte werden damit digitalisiert. Anfangs in der Regel den Großen vorbehalten, wird diese Möglichkeit sehr wahrscheinlich bald allen Betrieben zur Verfügung stehen. Wo die Transaktion dann tatsächlich passiert – egal ob im Payment-Modul, im Messenger oder im mobilen Webshop – ist dann nur mehr ein vernachlässigbares technisches Detail.

Location Based Services:

Plumpe Bannerwerbung zeigen im Desktop-Bereich bereits heute seine Grenzen, da die Akzeptanz und Klickraten rapide sinken und Ad-Blocker immer beliebter werden. Wie aber soll ein Kunde am Smartphone werblich angesprochen werden, sinkt hier die Toleranzgrenze für lästige Werbung doch an die Nullgrenze. Der heilige Gral sind hier die Schlüsselwörter „Relevanz“ in Verbindung mit der „Location“. Denn wenn ich Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort erhalte, so steigt das Interesse meist rapide. Schon heute können hier mit Google oder Facebook Places ortsbezogene Anzeigen geschalten werden. Sogar Newsletter-Maildienste bieten die Möglichkeit E-Mails nur an User in einem bestimmten geographischem Gebiet auszusenden. Mit Technologien wie Bluetooth-Beacons, WiFi (Indoor Navigation) und später LTE-Direkt werden die Smartphones zu echten proaktiven Assistenten, die manchmal mit lästigen, aber auch manchmal mit sehr relevanten Push-Nachrichten informieren werden. Auch hier wird es die Möglichkeit geben, ohne eigene App, bestehende Apps und Services der Smartphone-Betriebssysteme zu nutzen.

Obige Beispiel zeigen recht deutlich, dass wir hier erst am Anfang einer sehr großen mobilen Bewegung stehen. Und die Schlüsselfrage des eigenen e-Commerce Erfolges für jeden Shopbetreiber wird aus unserer Sicht nicht die in der Entwicklung einer perfekten eigenen App liegen, sondern in der Nutzung neuer Technologien und Anwendungen, die bereits eine bestehende große Reichweite besitzen.

Auch wenn Transaktionen zukünftig in anderen Plattformen oder Apps zunehmen, sollte man nicht auf die Optimierung des eigenen Webshops vergessen. Schließlich ist der eigene Webshop noch immer der digitale Flagship-Store für den Kunden und wird es auch bleiben. Hatte man bis dato Webshop „auch“ für mobil tauglich gemacht, so sollte man hier nun einen echten Schwerpunkt setzen. Im nächsten Blogartikel bringen wir daher Tipps für die mobile Optimierung bereits bestehender mobiler Webshops (bzw. Responsive Design).