Versandapotheke Online gehen oder nicht

Was wir auch schon im Blogbeitrag Versandapotheken in Österreich – ein Status Quo im Vorjahr berichtet haben, wird nun zur Realität. Ab 25.6.2015 dürfen österreichische Apotheken nun endlich rezeptfreie Medikamente Online verkaufen. Damit wird die Ungleichheit gegenüber ausländischen Apotheken, die bereits nach Österreich verkaufen durften, endlich aufgehoben. Das Versandverbot von Arnzeimittel verstoßte nämlich gegen das Gemeinschaftsrecht der Europäischen Union. Die neue Fernabsatz-Verordnung regelt dabei  die Gesetze für die neuen Versandapotheken.

Und dabei gibt es einige Hürden und Regeln. Beispielsweise dürfen Mengen nur dem üblichen persönlichen Bedarf entsprechen, der Kunde muss wesentlich mehr persönliche Daten (Geburtsdatum, Telefonnummer etc.) angeben, Empfänger müssen verbindlich gegenzeichnen oder die Verpflichtung der Beratung, die nun auch Online gilt. Gerade letzter Punkt wird spannend in der praktischen Abwicklung. Wie viele von den 1350 österreichischen Apotheken nun tatsächlich diesen Schritt wagen bleibt abzuwarten. Experten rechnen Anfangs mit rund 30 Anbietern.

Angst vor der Preisschlacht

Die Apothekerkammer erwartet keine großen Preisreduktionen, da das Niveau in Österreich ohnehin schon niedrig sei. Praxisbeispiele aus anderen Branchen zeigen jedoch, dass sich viele Online-Player mit hohen Rabatten eine bestimmte Marktgröße erkaufen und dabei auch Verluste in Kauf nehmen. Die Angst der Apotheken diesbezüglich ist groß. Betrachtet man wiederum andere Branchen, die im e-Commerce schon weiter fortgeschritten sind, so sieht man, dass sich die Preise nach einer gewissen Zeit oft wieder konsolidieren und Anbieter der ersten Stunde jedenfalls profitieren. Sie können den Vorsprung in Sachen Bekanntheitsgrad gut nutzen und sind meist auch schon weiter fortgeschritten. Sie bieten den Kunden oft erstklassiges Service und nutzen vor allem die Kombination des Onlineshops mit dem stationären Geschäft.

Der Onlineverkauf hebelt den Schutz des Standortes einer Apotheke aus und die Produkte sind im hohen Maße vergleichbar. Gerade deshalb wird es wichtig sein auch Online einen Mehrwert zu liefern. Apotheken sollten daher nicht nur das Risiko sehen, sondern das Internet als zusätzlichen Verkaufskanal sehen. Mit dem Mehrwert der physischen Präsenz, der persönlichen Beratung oder von Click-and-Collect Mechanismen (Online bestellen – in der Apotheke abholen) lässt sich auch der Umsatz in der Apotheke ankurbeln. Mehr dazu, wie man gegen große Internetplayer seine Vorteile als regionaler Anbieter nutzt, bei uns im Blogartikel Sag „Ja zu A“: Der 5-Punkte-Plan zum erfolgreichen österreichischen Online-Shop.