Mammutbaum©Pixabay-USA-Reiseblogger

Perfekte Navigation, gut durchdachte Benutzerführung, collaborative filtering und  ein großes Angebot mit attraktiven Preisen: Mit diesen Vorzügen punktet der Onlineshop-Gigant Amazon. Auf einen Nenner gebracht, ist es der Faktor Convenience – also: Bequemlichkeit – der hier perfekt abgebildet wird. Die meisten Menschen kaufen bei Amazon, weil es auf dessen Marktplatz am einfachsten ist, das gesuchte Produkt zu erhalten. Wenn Amazon den Artikel nicht anbietet – wer sonst?

Der Preis reguliert sich über die vielen Anbieter von selbst, die Zahlungsdaten sind schon hinterlegt und die Ware ist im Eiltempo zugestellt. Genau diese Convenience ist der größte Wettbewerbsvorteil für alle Käufe, die einfach und schnell gehen sollen.

Die gute Nachricht für alle Shop-BetreiberInnen, die nicht Amazon heißen: Es gibt aber nicht nur die von Convenience getriebenen Käufe. Wäre das der Fall, würde es überhaupt kein klassisches Shopping mehr geben.

  • Concept Stores,
  • emotionale Shopping-Konzepte
  • und andere Event Shopping Initiativen

würden in der physischen Welt nicht so stark zunehmen, wie sie es aktuell tun. Sogar eingefleischte Onliner machen immer wieder mit neuen Concept Stores von sich reden.

Blackbox Amazon: Algorithmen und automatisierte Abläufe

Aus eigener Erfahrung mit Amazon – als Käufer, Marketplace-Anbieter und Lieferant im Vendor-Programm – kann ich sagen, dass Amazon eine große Blackbox ist, in der – aufgrund ihrer Größe – Prozesse und Abläufe automatisiert ablaufen müssen. So wie das Produkt-Angebot in der Suchfunktion komplexen Algorithmen unterliegt, werden auch Partner und Lieferanten per Algorithmen im kompletten Prozess per Automatismen und Algorithmen betreut.

Persönlichen Kontakt gibt es, wenn, dann nur einmalig: Etwa, wenn man von einem Amazon-Verkäufer angesprochen wird, um seine Produkte dort entsprechend zu listen oder anzuliefern. Bei Problemen – wie einer Lieferung, die nicht eingetroffen ist oder wenn ein Markt-Begleiter eigene Produkt-Bereiche ganz einfach per Automatismus sperrt – wird es meist kompliziert. Ich kenne auch niemanden, der bei Amazon jemals mit einem Kundenservice gesprochen hätte. Man kennt weder Standorte noch Mitarbeiter.

Erfolgreiche Onlineshops: Personality als langfristige Strategie

Für viele Käufer ist es aber – auch und gerade heute – wichtig, die Menschen hinter einem Unternehmen zu kennen. Ein wesentlicher Faktor beim Einkauf ist nach wie vor die persönliche Beziehung. Echte Menschen und ebensolche Unternehmen haben schließlich eine Geschichte – und Persönlichkeit bringt Vertrauen mit sich. Zusätzlich wächst das Bedürfnis nach regionalem Einkauf – um Menschen zu unterstützen, die man kennt und die ihre Produkte regional produzieren (lassen). Auch die Steuer-Optimierung der Konzerne oder nicht vorhandene Wertschöpfung im eigenen Land sind zunehmend Motive, bei Herstellern zu kaufen, die ein Gesicht haben. Genau diese Faktoren ermöglichen heute immer mehr regionalen, kleinen und engagierten Anbietern, neue Geschäftsmodelle zu erschließen – und müssen auch online entsprechend gespiegelt werden. Denn der heutige Gegner von lokal ansässiger Wirtschaft ist nie der Verkaufskanal „Onlineshop“, sondern immer das weltweit agierende Konzern-Wesen im Hintergrund.

Abgrenzung von Amazon: Zeigen Sie Persönlichkeit – bauen Sie Beziehung auf

Setzt man als Webshop-BetreiberIn auf den starken strategischen Faktor „Persönlichkeit“, reichen ein paar unternehmerische Facebook Postings nicht aus. Vielmehr ist eine individuell erarbeitete Strategie nötig, um die Personality dauerhaft und langfristig umzusetzen.

Deep Insights: Mögliche Maßnahmen für die Personality-Strategie

  • MitarbeiterInnen-Porträts: welche Menschen stehen hinter dem Onlineshop, welche Aufgaben haben sie, wie sehen sie aus?
  • Produkt-Geschichten: wie wurden sie erfunden, warum gibt es sie und wer verwendet sie?
  • Vorstellung von PartnerInnen und LieferantInnen

Wer Transparenz schafft, generiert nicht nur Persönlichkeit, sondern auch Vertrauen.

Umsetzung der Personality – Vertrauen schaffen, KundInnen binden

Die strategische Umsetzung kann in Form eines Blogs oder Videos erfolgen – und dabei über verschiedenste Kanäle wie

  • Newsletter,
  • Social Media
  • oder auf der Webseite des Unternehmens.

Onlineshops sind meist – stark vergleichbare – Waren-Kataloge. Gerade hier eignet sich der Web-Auftritt für Einblicke ins Unternehmen. Nicht umsonst gilt die „About“/ „Über Uns“-Seite  zu den meistgelesenen Seiten der meisten Web-Auftritte. Persönliche Erfahrungsberichte zu einzelnen Produkten können direkt beim Produkt hinterlegt werden. Bilder, Videos oder Porträts von MitarbeiterInnen und GründerInnen werden immer gerne gelesen. Fazit: Mehr Personality schafft in jedem Fall eine wertvolle Differenzierung – und sorgt für Abgrenzung gegen große Player.

Und apropos Amazon: Lesen Sie hier unsere weiteren Praxis-Tipps zum Thema – rund um die Erfolgsfaktoren von Positionierung und Spezialisierung.